04/16/2026

Das Impulspapier beschreibt die Herausforderungen und Ziele aus Sicht des Bundesarbeitsministeriums in den bisherigen fünf Handlungsfeldern Ausbildung, Weiterbildung, Erwerbspersonenpotenzial, Arbeitskultur und Arbeitsbedingungen sowie Fachkräfteeinwanderung. Neu sind die Themenfelder Einsatz von KI/Digitalisierung und Vernetzung. 

  • Bei der Ausbildung wird auf die Passungsprobleme und die weiterhin bestehenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsstellen hingewiesen. 
  • Nach Ansicht der Bundesregierung werden wichtige Zielgruppen für Weiterbildung weiterhin zu wenig erreicht. Zudem sollte der Anteil berufsqualifizierender und längerer Weiterbildungen steigen. Weitere Befunde: Kleine Unternehmen bieten nach wie vor seltener Weiterbildungen an, und der starke Anstieg der Weiterbildungsbeteiligung hat sich nicht fortgesetzt.
  • Das Bundesarbeitsministerium verfolgt daher das Ziel, die Weiterbildungsbeteiligung Erwachsener bis 2030 auf 65 % zu erhöhen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Geringqualifizierte und Beschäftigte, die vom Strukturwandel betroffen sind.
  • Die Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren, Arbeitslosen und Menschen mit Behinderungen soll weiter erhöht werden. 
  • Es wird auf zunehmende Arbeitsverdichtung, eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit, Fachkräfteengpässe sowie unklare Prioritätensetzungen hingewiesen. Diese würden zu Überforderung und Stress führen, die emotionale Bindung an den Arbeitgeber senken und für höhere krankheitsbedingte Fehlzeiten sorgen.
  • Es wird betont, dass qualifizierte Einwanderung für die Sicherung des Fachkräftebedarfs zentral ist. Gleichzeitig zeigt sich ein ambivalentes Bild bei den Verfahren, dem Spracherwerb, der Arbeitsmarktintegration und der Anerkennung von Qualifikationen.
  • Beim Thema KI werden Chancen und Herausforderungen, z. B. beim Thema Kompetenzen, aber auch kritische Punkte wie Verschlechterung der Arbeitsqualität und Arbeitskultur aufgeführt.
  • Es wird hervorgehoben, dass die Zusammenarbeit und Vernetzung aller relevanten Arbeitsmarktakteure vor Ort wichtig ist – ebenso wie der Austausch guter Beispiele und erfolgreicher Ansätze zur Fachkräftesicherung, auch auf europäischer Ebene.
  • Die Fachressorts der Bundesregierung sollen gemeinsam mit den jeweiligen Branchenvertretungen sowie den in vielen Bereichen zuständigen Ländern eigene berufs- oder branchenbezogene Fachkräftestrategien entwickeln oder weiterentwickeln.

Bewertung:

Die im Impulspapier beschriebenen Herausforderungen treffen teilweise zu. Entscheidend ist jedoch, welche politischen Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.

  • Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt bestehen weiterhin. Nicht zutreffend ist jedoch die Aussage, dass 2025 mehr junge Menschen einen Ausbildungsplatz gesucht hätten, als Ausbildungsplätze verfügbar waren. Auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kamen rechnerisch 93 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber.
  • Der Weiterbildungsbedarf von Geringqualifizierten ist bekannt. Die kurze Dauer vieler Weiterbildungsangebote zeigt jedoch, dass Betriebe keinen Bedarf an längeren Maßnahmen haben. Pauschal umfangreichere Weiterbildungen zu fordern, ist daher nicht sinnvoll. Insgesamt wird in der Weiterbildung zu wenig auf Wirkung geschaut.
  • Es ist richtig, alle Erwerbspersonenpotenziale zu mobilisieren und die Erwerbsbeteiligung zu erhöhen. Die demografischen Auswirkungen auf das Arbeitsvolumen bleiben im Impulspapier jedoch unberücksichtigt.
  • Die Arbeitsqualität in Deutschland ist – anders als im Impulspapier suggeriert – weiterhin hoch. Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren eine stabile Arbeitszufriedenheit. Unzutreffend ist die Annahme, eine vermeintlich sinkende Arbeitsqualität führe zu mehr Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen.
  • Der Ausbau qualifizierter Zuwanderung ist richtig. Effizientere Verfahren sind hierfür der zentrale Hebel. Nicht angesprochen bleibt allerdings die wichtige Rolle von Vermittlung und Matching.
  • Digitalisierung und KI können Produktivität und Arbeitsqualität steigern. Richtig ist auch, dass Kompetenzanforderungen sich verändern. Arbeitgeber sind allerdings bereits schon heute der größte Investor in Weiterbildung und Qualifizierung der eigenen Beschäftigten.
  • Eine bessere Zusammenarbeit und Vernetzung der relevanten Arbeitsmarktakteure vor Ort ist sinnvoll. Berufs- und branchenbezogene Fachkräftestrategien müssen jedoch in eine kohärente Gesamtstrategie eingebettet sein, um widersprüchliche Ansätze zu vermeiden.

Weiteres Vorgehen:

Auf Grundlage des Impulspapiers plant das Bundesarbeitsministerium, im Jahr 2026 einen umfangreichen Diskussions- und Konsultationsprozess zu starten. Dafür sollen regionale Fachkräftewerkstätten organisiert werden. Dort stehen die Perspektiven der Beschäftigten sowie der Unternehmen und Betriebe in den Regionen im Mittelpunkt. Die dafür vorgesehenen vier Leitfragen finden sich auf Seite 20 des Impulspapiers. Ziel ist es, die aktualisierte Fachkräftestrategie im Jahr 2027 im Kabinett zu verabschieden und anschließend auf einem Fachkräftekongress vorzustellen.

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